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Projektinformationen der AG Wildformen
13.12.2017 04:25:38
Neue Untersuchungen an "alten" Ziegensittichen



Nach längerer Zeit ist es mir endlich gelungen meinen angekündigten Besuch im Senckenberg-Museum in Frankfurt/Main wahr zu machen. Es ging um die Gefiedermerkmale von wildfarbenen Ziegensittichen (Cyanoramphus novaezelandiae).

Ich selbst habe über viele Jahre versucht rein wildfarbene, d.h. total grüne Ziegensittiche zu bekommen und nachzuzüchten. Die Vögel, die ich erhalten konnte, waren zwar komplett grün gefärbt, wiesen aber immer ein gelbes Nackenuntergefieder auf, - sichtbar, wenn man "gegen den Strich" in das Gefieder im Nacken hineinblies. Ich, und auch viele andere Züchter, haben dies immer als klaren Nachweis für eine Farbmutation gehalten, zumal bei meinen Nachzuchten spätestens in der 2. Generation Jungvögel mit deutlich sichtbaren gelben Federn und auch hellen Krallen geboren wurden. Entnervt habe ich dann die Weiterzucht mit diesen Vögeln aufgegeben. Es gab aber auch Züchter, die sich sicher waren, dass diese gelben Federn auch bei der Wildfarbe vorzufinden sind.

Um nun nicht weiterhin einem vermeintlichen Phantom hinterher zu jagen, entschloss ich mich, mir im Museum alte Wildfänge bzgl. der Federmerkmale und -farben genauer anzusehen. So machte ich einen Termin mit Herrn Dr. Gerald Mayr, dem Leiter der Sektion Ornithologie des Senckenberg-Museums in Frankfurt/Main. Er war sehr zuvorkommend und zeigte mir bereitwillig alle von mir gewünschten Vogelbälge.

Nun kommt das Ergebnis: alle 7 Wildfänge wiesen gelbe Federn im Nackenuntergefieder auf !!! Für mich war die Überraschung perfekt!
Bei allen Vögeln handelte es sich ausnahmslos um "Naturentnahmen", also Wildfänge aus den Jahren 1872 bis 1897. Das warf meine ganze "Theorie" über den Haufen: hatte ich doch immer geglaubt, dass jede gelbe Feder bereits ein Mutationsmerkmal sei.

Dieses Resultat hat natürlich zwei Seiten: zum einen ist es sehr positiv, da nun die Suche nach wildfarbenen Ziegensittichen erneut mit deutlich mehr Chancen auf Erfolg aufgenommen werden kann. Zum anderen bedeutete es aber für mich persönlich, dass ich evtl. bereits rein wildfarbene Vögel besessen, aber wieder abgegeben hatte, ohne sie zu erkennen. Aber entscheidend ist die nun aufkeimende Hoffnung, dass es für diese Art vielleicht doch erst "5 vor 12" ist und durchaus noch nicht farbmutierte Ziegensittich-Stämme existieren und zu finden sind.

Das erste der vorgestellten Bilder (Nr. 1) zeigt alle Bälge und damit auch die Größenunterschiede der Individuen, wobei die beiden Weibchen am kleinsten waren. Die Gesamtlängen der Männchen lagen zwischen 25,0 und 28,5 cm, die beiden Weibchen waren 23,0 und 24,0 cm lang.
Einige der Vögel hatten relativ helle Krallen, was aber auch auf farbliche Veränderungen über die lange Zeit zurückzuführen sein kann.

Die anderen Bilder zeigen Einzelvögel in der Gesamtansicht und Details. Die Federspitze der entsp. Nackenfedern war im oberen Drittel immer tiefgrün gefärbt, lediglich die Federpartien im unteren Bereich waren gelb bis gelblich-weiß eingefärbt. Allerdings gab es da individuelle Unterschiede bzgl. der Ausprägung.

Bild 5 und 6 zeigen den gleichen Vogel: sind die Federn glatt gestrichen, war nur ein einheitliches Grün zu sehen, durch stärkeres Einblasen konnten die teilweise gelb gefärbten Federn sichtbar gemacht werden.


Alle Daten zu den untersuchten Präparaten liegen vor, ebenso verschiedenste Fotografien in höherer Auflösung.
An dieser Stelle sei auch dem Seckenberg-Museum Frankfurt gedankt, einen solchen Einblick in die Vogelsammlung bekommen zu können, - natürlich insbesondere Herrn Dr. Mayr für seine sehr bereitwillige Unterstützung.


Angefügtes Bild Nr. 2


Angefügtes Bild Nr. 3


Angefügtes Bild Nr. 4


Angefügtes Bild Nr. 5


Angefügtes Bild Nr. 6


Angefügtes Bild Nr. 7


Angefügtes Bild Nr. 8

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