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Projektinformationen der AG Wildformen
29.05.2017 07:35:31
Grundlegende Informationen
Von den Agapornis-Arten , die für die Haltung in Menschenhand immer schon eine wichtige Rolle spielten, werden auch die meisten bereits seit etwa 100 Jahren gezielt vermehrt. Anfangs gelangen Zuchterfolge mit diesen Arten bei weitem noch nicht so häufig wie in der Gegenwart; sehr schwierig stellt sich zum Beispiel nach wie vor die Fortpflanzungsituation der Orangeköpfchen (A. pullaria) dar. Taranta-Unzertrennliche (A. taranta) und Grauköpfchen (A. canus) werden derzeit auch noch nicht in dem Maße gezüchtet wie beispielsweise die sogenannten „Unzertrennlichen mit den weißen Augenringen“. Zu letzteren zählen das Schwarzköpfchen (A. personatus), das Pfirsichköpfchen (A. fischeri), das Erdbeerköpfchen (A. lilianae) und das Rußköpfchen (A. nigrigenis).

Sicherlich erhielten diese Arten eine erhöhte Aufmerksamkeit durch den Menschen, weil sich bei ihnen durch Mutationen sehr schnell verschiedene Farbschläge bildeten, die sich unter Beachtung bestimmter Vererbungsgesetze gezielt weiterzüchten ließen und so für clevere Züchter sehr schnell einen kleinen Geldsegen einbrachten. Dadurch, dass diese 4 Arten auch sehr eng miteinander verwandt sind ließen sich die Farbveränderungen des Schwarzköpfchens beispielsweise durch Einkreuzung auf das Rußköpfchen übertragen und die Nachkommen derartiger Zuchtversuche sind dann auch noch fruchtbar. So haben wir es in der Gegenwart zum einen mit farblich veränderten Agaporniden zu tun, die sich anhand ihres äußeren Erscheinungsbildes sichtbar vom phänotypischen Aussehen des Wildtyps unterscheiden. Aber auch spalterbige Vögel , die diese farblichen Veränderungen in ihrem Genmaterial verdeckt in sich tragen und diese selbstverständlich auch bei nachfolgenden Verpaarungen weiter vererben, befinden sich in den zahlreichen Zuchtanlagen auf der ganzen Welt und sind ebenso zu bewerten wie die sofort erkennbaren Mutanten. Durch die bereits erwähnten erfolgreichen Einkreuzungsversuche haben wir es aber auch mit zahlreichen Mischlingen zu tun, die keinesfalls als Angehörige der entsprechenden Spezies angesehen werden dürfen.

Den -zigtausenden veränderten Vögeln stehen eventuell nur noch einige hundert Exemplare gegenüber, die in ihrem Phänotyp tatsächlich noch dem Wildvogel entsprechen. Beim Rosenköpfchen (A. roseicollis) ist die Situation wahrscheinlich völlig aussichtslos; viele Experten behaupten, dass von dieser Spezies nicht ein Individuum in Menschenhand existiert, das dem Wildvogel bis ins kleinste Detail ähnelt. Anders hingegen bei den 4 Unzertrennlichen mit den weißen Augenringen. Hier besteht rein theoretisch durch verschiedene Gegebenheiten noch die Möglichkeit mit einer entsprechenden Ausgangspopulation zukunftsorientiert zu arbeiten und die phänotypische Wildform in Menschenhand zu erhalten. Der Taranta-Unzertrennliche hat durch Zucht in der Vergangenheit zwar auch Farbveränderungen hervorgebracht, jedoch waren diese optisch nicht so auffällig, dass sie zu gewinnbringenden Objekten wurden. Das Grauköpfchen verhält sich in dieser Sache genauso, obwohl bei dieser Spezies sicherlich die achtlose Kreuzung der beiden existierenden Unterarten ein Problem darstellt.

Alles in allem soll mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprojekt für die Agaporniden-Arten längerfristig erreicht werden, dass wildfarbene und artenreine Vögel einen festen Platz in unseren Volieren finden und sie die Beachtung bekommen, die ihnen zusteht. Allein die ständige Abnahme der Populationen vom Ruß- und Erdbeerköpfchen verlangen nach derartigen Initiativen zur Schaffung einer genetischen Reserve. Nähere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter der Internetadresse www.agapornis-projekt.de.

Autor: Jörg Asmus
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