Arbeitsgemeinschaft Wildformen

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Mutationen

Unter Mutation versteht man eine Abänderung der Eigenschaften eines Lebewesens, die im Gegensatz zur Modifikation erblich ist. Eine Mutation ist somit eine dauerhafte Veränderung des Erbgutes (Genotyp). Sie betrifft zunächst nur das Erbgut einer Zelle, wird aber von dieser an alle eventuell entstehenden Tochterzellen weitergegeben. Eine Mutation kann negative, positive oder auch keine (stille Mutation) Auswirkung auf die Merkmale des Organismus (Phänotyp) haben.

Mutationen sind bei vielen Vogelarten-Arten bereits seit Jahrzehnten bekannt. Auf einige Vogelarten wurden die jetzt existenten Mutationsfärbungen durch die sogenannten Transmutanten übertragen. Durch engste Inzuchtverpaarungen wurden damals die Mutanten gefestigt und durch die Kreuzung vorhandener Mutationsformen untereinander neue Farbkombinationen gezüchtet.

Phänotypisch wildfarbene Vögel dieser Art tragen nicht selten die Vererbung solcher Mutationen versteckt in ihren Genen; sie sind spalterbig, wie es unter "Fachleuten" heißt. Eine Verpaarung solcher Individuen hat in den nachfolgenden Generationen immer wieder andersfarbige Vögel zum Ergebnis.

Derartige Tiere, Mutanten, wie auch die Träger der verdeckten Erbinformation solcher Mutationen, sind für Arterhaltungsprojekte nicht mehr zu gebrauchen. Diese Vögel haben über viele Generationen einen Domestikationsprozess durchlebt, der sie nicht nur in der Färbung sondern auch in ihrer Statur, Größe und in ihrem Verhalten häufig von der eigentlichen Wildform abweichen lässt.

Aus diesem Grund möchten wir bei unseren Bemühungen auch keinesfalls Standards zum Einsatz bringen, die den Teilnehmern ein "Zuchtziel" vorschreiben. Wir verweisen immer wieder auf die Vorgaben aus der Natur, deren (genetische) Variabilität auch bei unserer Zuchtvogel-Population vorherrschen muss.

Das Populationsdenken sollte auch bei unseren Bemühungen zur Arterhaltung eine große Rolle spielen. Kritiker derartiger Arterhaltungszuchtprojekte äußern des Öfteren, dass sich eine in Menschenobhut befindliche Population von Lebewesen im Laufe vieler Jahrzehnte so von deren Wildtypus entfernt, dass veränderte Farben nur einen (sichtbaren) Teil der genetischen Abwandlung darstellt. Weiterhin sind mitunter beispielsweise Änderungen des Verhaltens, der Kommunikation und der Brutbiologie einer Art zu erkennen, die der geänderten Lebensweise unter den neuen Bedingungen geschuldet sind. Auch gibt es beispielsweise durch gezielte Zucht-auswahl, indem immer die größten Vögeln zur Zucht verwendet werden, Änderungen in der Körpergröße und Gestalt. Dass sich die Vögel letztendlich an die neuen (Umwelt-)Bedingungen bei uns in Menschenobhut gewöhnen müssen steht außer Frage, und dass dies einen Eingriff in das von der Natur gegebene gewohnte Lebensbild einer Spezies darstellt, ist auch klar. Bei vielen Vogelarten stellt sich aber in Freiheit auch das Problem dar, dass diese Wildvögel mit Lebensraumverlusten, Krankheiten und Gefahren zu leben haben, mit denen sie erst in den vergangenen Jahrzehnten konfrontiert wurden.

Zudem setzen sich die meisten Arten in ihren mitunter riesigen Verbreitungsgebieten aus zahlreichen lokalen Gruppen (Populationen) zusammen, die selbst in der Natur mit teilweise unterschiedlichen Umweltbedingungen fertig werden müssen. Innerhalb einer solchen Population ist jedes Individuum einzigartig und von jedem anderen Individuum innerhalb dieser Population verschieden. Man könnte es auch so auslegen, dass die Population in Menschenobhut eine dieser lokalen Gruppen der Gesamtpopulation einer Art darstellt und man die Individualität eines jeden Exemplars anerkennen sollte. Jedoch sollte man aber solch gravierende Veränderungen, wie das gezielte Züchten jeglicher neuer Farben und Formen entgegenwirken, insbesondere bei den so wichtigen Arterhaltungsprojekten.


Autor: Jörg Asmus